|
Es ist sicherlich unbestritten, daß zu einer
gelungenen Atmosphäre einer Gartenbahn auch eine
authentische Geräuschkulisse eine nicht unwesentliche
Rolle spielt. In erster Linie sind dafür die
verschiedensten Signaltöne als auch Lauf- und
Antriebsgeräusche der Modellokomotiven verantwortlich.
Schon seit langem bietet die Industrie zu diesem Zweck
Soundmodule an. Während konventionelle Soundbausteine
die Geräusche mittels diskreter Elektronik generieren,
liegt modernen Modulen das Prinzip der Samplewiedergabe
zu Grunde. Das heißt, akustische Aufnahmen einer
Originallok liegen in digitalisierter Form im Speicher
vor und werden on demand abgespielt.
Schade nur um den besten und teuersten Soundbaustein,
wenn der wiedergegebene Sound dann nicht zur Situation
paßt. Das betrifft insbesondere die Geräusche des
Antriebes in Bezug auf die Lokgeschwindigkeit. Bei
Dampfloks sind das die Auspuffschläge, welche
unabhängig von der Geschwindigkeit immer radsynchron
vorhanden sind. Da die Zylinder i.d.R. doppelseitig
arbeiten, produziert jeder dieser Antriebszylinder 2
Auspuffschläge pro Radumdrehung. In den meisten Fällen
handelt es sich in unserer Baugröße um Modelle von
2-Zylinderlokomotiven deren Antriebszylinder mit einem
Versatz von 90 Grad auf die Treibräder wirken. Das
ergibt demzufolge 4 Dampfschläge pro Radumdrehung,
welche auch beim Modell erzeugt werden müßten.
Es stellt sich natürlich die Frage nach dem Sinn des
ganzen Aufwandes. Der nicht so anspruchsvolle
Modellbahner legt da sicherlich weniger Wert darauf und
ist zufrieden, wenn die Häufigkeit des Dampfgeräusches
irgendwie einer geschwindigkeitsbezogenen
Änderung unterliegt, Profis erwarten mehr.
In der Regel laufen diese Lösungen bisher auf eine
radsynchrone Variante mit 2 Dampfschlägen/Radumdrehung
hinaus. Da der durchschnittliche Gartenbahner meistens
immer eine höhere als vorbildgerechte
Modellgeschwindigkeit fährt, ist das sicherlich ein
annehmbarer Kompromiß, der auch so von der Industrie in
den besseren Modellausstattungen angeboten wird. Jedoch
bei Langsam- oder Rangierfahrt ist dieser
Betrug ersichtlich.
Richtig wären natürlich 4 Dampfschläge/Radumdrehung,
was den durchaus positiven Nebeneffekt mit sich bringt,
daß der Modellbahner allein der Akustik wegen sich an
die vorbildgerechte Modellgeschwindigkeit hält. Auch die
immer zu kleine Gartenbahnanlage wirkt dadurch subjektiv
größer.
Ein Dampfschlag pro Radumdrehung ist von vornherein zu
verneinen und erinnert eher an einen uralten Traktor als
an eine Dampflok.
Viele Soundmodule besitzen zur Synchronisierung des
Dampfgeräusches einen Eingang, um einen externen
Impulsgeber wie z.B. Reedkontakt oder Hallsensor
anzuschließen. So simple diese Technologie in der Theorie
funktioniert, in der praktischen
Umsetzung sind jedoch einige Besonderheiten zu beachten,
wenn man ein rhythmisches Dampflokgeräusch erreichen
möchte. Fehler im Abstand und Winkel der einzelnen
Magnete lassen den Dampfsound unschön
humpeln. Hier ist eine hohe Genauigkeit
nötig!
Bei der Auswahl der Magnete sollte auf eine kleine
Bauformen zurückgegriffen werden. Je kleiner um so
besser, jedoch müssen sie noch kräftig genug sein, daß
sie den Reedkontakt noch in etwas Abstand zuverlässig
schließen. In meinem Fall wurden Miniaturmagnete in den
Dimensionen 4x4x3 mm verwendet. Erfahrungsgemäß können
herstellungsbedingte Toleranzen in Stärke und Verlauf
des Magnetfeldes vernachlässigt werden, sofern man diese
aus einer Charge kauft. Beim späteren Einbau ist jedoch
darauf zu achten, daß diese keine Beschädigung
aufweisen. Geringe Formänderungen - z.B. durch
abgeplatzte Splitter oder auch Haarrisse - können
verheerende Folgen haben!
Die größte Hürde ist die genaue Plazierung und
Befestigung der Magnete. Versuche, diese per Hand im
Außenbereich des Getriebekastens zu befestigen, sind zum
Scheitern verurteilt. Es ist wahrscheinlich unmöglich,
diese exakt mit 90 Grad Winkelabstand an den Rädern
anzubringen. Hinzu kommt, daß sie dort evtl. optisch von
Nachteil sind. Auch die Gefahr des Verlustes durch
mechanische und klimatische Beanspruchung sollte nicht
unterschätzt werden. Aber meistens sind sie einfach
schlicht nur im Weg und man findet dort sowieso keinen
geeigneten Platz.
Fast zwangsläufig ergibt sich nur der Ausweg einer
Montage, gebunden an eine Radachse im Inneren des
Getriebes. Sinnvoll ist es, die Magnete auf einem
möglichst großem Umfang zu verteilen, um die hörbaren
Folgen von Ungenauigkeiten in der Platzierung zu
minimieren. Diese sind fertigungsbedingt nie vollständig
auszuschließen.
 |
| Skizze / Entwurf |
Im folgenden wird eine Lösung zur Fertigung eines
Magnetträgers vorgestellt, der als Funktionsmuster in der heimischen Werkstatt
entstand. Alle Maßangaben beziehen sich auf diesen Prototyp, welches für
eine LGB 21701 (U-Reihe) entwickelt wurde und in vielen anderen Modellen
auch eingesetzt werden könnte. Änderungen in den Platzverhältnissen, die zu Abweichungen in
den Maßangaben führen, sind beim Nachbau individuell abzustimmen.
Als Material kommen nicht magnetischen Metalle in Frage, feste
Kunststoffe sind ebenso denkbar, die Auswahl entscheidet sich in der
Restekiste des Modellbauers. Im vorliegenden Fall wurde Aluminium
verwendet.
Zuerst kommt die Drehmaschine zum Einsatz. Nach dem Plandrehen einer
Stirnseite wird die Achsbohrung angebracht. Wer die Möglichkeit hat die
Bohrung auf das Maß 6H7 zu reiben, sollte davon Gebrauch machen und
spart sich damit ein späteres Festkleben des Bauteils. Danach wird
der Außendurchmesser auf den maximal möglichen Außendurchmesser
abgedreht. Dieser richtet sich nach den räumlichen Begrenzungen im
Getriebekasten und nach der Dicke des Reedkontaktes, der auch noch dazwischen Platz finden muß. Werden diese
Dreh- und Bohrarbeiten durchgeführt ohne dabei das Werkstück
umzuspannen, wird auch auf einer schlechteren Drehbank eine ausreichend
hohe Rundlaufgenauigkeit erreicht.
Anschließend werden die Nuten zur Aufnahme der Magnete ausgefräst. Ein
Rundtisch oder Teilapparat ist erheblich von Vorteil und ermöglicht die
notwendige Präzision. Es kommt dabei weniger auf eine absolut 100%ige
Mittig- und Winkligkeit der Nuten an, als vielmehr auf den einwandfreien
Rundlauf des eingespannten Drehteils (ggf. Meßuhr verwenden) und dem
exakten Drehwinkel von 90 Grad.
 |
| Fräsen der Nuten |
Entsprechend der notwendigen Nutenbreite wird ein
passender Fräser ausgewählt, die Magnete müssen sich später leicht
einsetzen lassen ohne jedoch zu „klappern“. Ein strammer Sitz birgt die
Gefahr der Beschädigung der Magnete bei deren Montage. Die Tiefe richtet
sich nach der Dicke der Magnete.
Nach dem Absägen und sorgfältigen Entgraten des Werkstückes werden die
Magnete eingesetzt und fixiert. Dazu wird es mit der plangedrehten
Stirnseite auf ein auf ebener Unterlage liegendes Stück Klebestreifen
fixiert. Anschließend werden die Magnete eingesetzt und auf das
Klebeband gedrückt, so daß diese bündig mit der Stirnseite abschließen
und am Nutgrund anliegen.
Bei dem Einsetzten der Magnete ist auf folgende wichtige Kleinigkeit zu
achten: Die Polarisierung der Magnetfelder wird wechselseitig
ausgerichtet, d.h. Nord- und Südpole wechseln sich am Umfang ab. Das hat
wesentlichen Einfluß auf Verlauf und Abgrenzung der Magnetfelder und
damit auf die am Reedkontakt wirkenden Kräfte.
|
Nach einer letzten Überprüfung des korrekten
Sitzes werden die Magnete mit geeignetem dünnflüssigen Klebstoff oder
Sicherungslack befestigt.
Nun wird noch die abgesägte Seite des Werkstücks
vorsichtig auf Maß gedreht und der Bund herausgearbeitet, so daß der nun fertig gestellte
Magnetträger bequem auf der Achse im Getriebekasten
Platz findet. Dabei ist das seitliche Spiel der Achsen
ist zu beachten und darf nicht behindert werden, welches
aus Gründen der Kurventauglichkeit durchaus einige
Millimeter betragen kann.
Natürlich sollte man sich vor Beginn der Arbeiten über
die Einbauposition von Magnetträger und Reedkontakt
weitestgehend im Klaren sein und unbedingt eine durch den
Motor angetriebene Achse auswählen. Untauglich sind
Achsen, die über die Kuppelstangen mitgenommen werden.
Durch das massive Spiel der Kurbelzapfen ist eine
gleichmäßige, ruckelfreie Rotation der Achse und damit
ein rhythmisches Dampfgeräusch aussichtslos.
Nachdem die Achse ausgebaut und das entsprechende Rad
abgezogen ist, wird der Magnetträger mittels eines
passenden Stück Rohres, Hülse o. ä. mit vorsichtigen Hammerschlägen
aufgeschoben (Vorsicht: die Magnete dürfen dabei nicht
beschädigt werden!). Nun wird das Rad unter Beachtung
des Winkels der Kurbelzapfen und der Spurbreite
aufgesetzt und die präparierte Achse kann wieder
eingebaut werden.
 |
| rechts neben dem Magnetträger
steht hochkant der Reedkontakt |
Zum Schluß wird noch
der Reedkontakt eingebaut und justiert. Dieser muß so
positioniert werden, daß dieser trotz des seitlichen
Spieles der Achse von den Magneten immer sicher auslöst.
Schon aus Gründen des Platzbedarfes sind kleine
Bauformen zu bevorzugen. Diese haben meistens darüber
hinaus den Vorteil, daß sie schnellere Schaltzyklen
zulassen und selbst bei vorbildwidrigen
Höchstgeschwindigkeiten immer noch zuverlässig
arbeiten. In meinem Fall fand ein
Glasrohr-Miniaturreedkontakt 14 x 2,2 mm Verwendung. Wenn
man diesen vorher mit einem Stück Schrumpfschlauch
überzieht läßt er sich nach erfolgreichem Test und
Probelauf (R1-Schlängelkurse und Weichenstraßen sind
besonders geeignet) mit einem Tropfen Klebstoff fixieren.
Damit ist der mechanische Teil abgeschlossen.
Zur Verdeutlichung der notwendigen Genauigkeit sei an
dieser Stelle erwähnt, daß Herstellungsfehler sich um
den Faktor Pi am Umfang vervielfachen können. Der nach
dieser Methode gefertigte Prototyp wies eine am Umlauf
gemessene Distanzabweichung der Magnete von etwa +/-0,25
mm auf, die Ungenauigkeiten im Rundlauf lagen bei ca.
+/-0,1 mm. Rechnerisch ergeben sich daraus Differenzen
von ca. +/-2 Grad (am Viertelkreis), hörbare
Rhythmusstörungen konnten jedoch nicht
festgestellt werden.
Die hier vorgestellte Methode stellt nur eine
Möglichkeit der Fertigung eines solchen Bauteils dar und
orientiert sich an den zur Verfügung gestandenen
Werkzeugen und Maschinen und ohne Anspruch auf
Optimierung des Prozesses für eine Serienfertigung. Der
interessierte Bastler findet sicher auch andere Wege der
Realisierung und sollte die hier beschriebenen
wesentlichen Grundlagen als Anregung berücksichtigen.
Modellbauer, denen eine CNC-Fräsmaschine zur Verfügung
steht, sind natürlich klar im Vorteil.
Präzisionsgeschnittene Magnetträger, Magnete und Reedkontakte hier
erhältlich.
|